Drei Projekte, drei unterschiedliche Formen der Beteiligung und eine gemeinsame Botschaft: Kinder und Jugendliche wollen ihre Lebenswelt mitgestalten – und sie tun es bereits. Unsere Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Sachsen hat heute erstmals den „Sächsischen Beteiligungspreis für Kinder und Jugendliche“ vergeben. Ausgezeichnet werden die Jugendvertretungen im Bautzener Oberland, die AG Jugendbeteiligung Hartha mit ihrem Projekt „Farbe im Kopf – Beat im Ohr“ sowie der „Rat der kleinen Leute“ aus Augustusburg.
Mit dem Preis würdigt die Servicestelle das Engagement junger Menschen, die eigene Themen setzen, Verantwortung übernehmen und verbindlich Einfluss auf Entscheidungen nehmen, die sie und ihr Lebensumfeld betreffen. Die drei ausgezeichneten Projekte erhalten jeweils eine Anerkennung im Wert von 1.000 Euro. Eine Rangfolge gibt es bewusst nicht – alle drei Auszeichnungen sind gleichwertig und stehen beispielhaft für die Vielfalt gelingender Kinder- und Jugendbeteiligung in Sachsen.
„Gute Beteiligung heißt für uns mehr, als Kinder und Jugendliche nach ihrer Meinung zu fragen. Sie müssen erleben können, dass ihre Ideen ernst genommen werden, dass sie Entscheidungen mitgestalten und dass daraus etwas entsteht. Bei den drei ausgezeichneten Projekten wird aus Mitreden echtes Mitgestalten“, sagt Norbert Hanisch, Projektleiter der Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Sachsen.
Beteiligung über Gemeindegrenzen hinweg: Jugendvertretungen im Bautzener Oberland
In Neukirch, Wilthen und Schmölln-Putzkau haben sich Jugendvertretungen etabliert, die ihre Anliegen direkt in die Gemeinderäte tragen. Sie fragen Jugendliche vor Ort, was ihnen fehlt oder was sich ändern sollte, und machen daraus eigene Vorhaben und Angebote.
Bemerkenswert fand die Jury, dass die drei Jugendvertretungen nicht an den Gemeindegrenzen Halt machen. Sie tauschen sich regelmäßig aus und planen auch gemeinsam – zum Beispiel ein Jugendfestival für die Region. Die Jugendlichen übernehmen dabei von der Idee bis zur Organisation selbst Verantwortung. So ist im Bautzener Oberland eine Zusammenarbeit entstanden, die auch über den einzelnen Ort hinaus wirkt.
Jugendkultur selbst gemacht: „Farbe im Kopf – Beat im Ohr“ in Hartha
In Hartha engagieren sich zehn junge Menschen in der AG Jugendbeteiligung. Sie überlegen gemeinsam, was Jugendlichen in der Stadt wichtig ist, und setzen eigene Ideen um. Ein Beispiel dafür ist das Jugendkulturprojekt „Farbe im Kopf – Beat im Ohr“.
Die AG hat die Veranstaltung weitgehend selbst auf die Beine gestellt: Sie kümmerte sich um Werbung und Organisation und entschied mit, was am Veranstaltungstag angeboten wird. Dazu gehörten Graffiti, Virtual Reality und 3D-Druck ebenso wie eine Jugendlounge, eine Mocktailbar und Musik. Für die Jury war vor allem entscheidend, wie viel Verantwortung tatsächlich bei den Jugendlichen lag – und dass aus ihren Ideen eine Veranstaltung für andere junge Menschen in Hartha wurde.
Demokratie von Anfang an: Der „Rat der kleinen Leute“ in Augustusburg
Im „Rat der kleinen Leute“ in Augustusburg treffen sich regelmäßig rund 20 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Sie bringen mit, was sie beschäftigt, vereinbaren Regeln, stimmen über Vorschläge ab und verteilen die Aufgaben untereinander. Was beschlossen wird, setzen sie anschließend möglichst selbst um.
So entscheiden die Kinder etwa über ein eigenes Budget, haben einen Barfußpfad gestaltet und wählen die Filme für das Kinderkino aus. Mit dem „Resturang Kréfôu“ stellten sie sogar ein eigenes Kinderrestaurant auf die Beine. Und als es um einen Spielplatz ging, produzierten sie ein Video mit ihren Vorschlägen und brachten es in den Stadtrat. Die Jury überzeugte daran besonders, wie selbstverständlich die Kinder demokratische Entscheidungen in ihren Alltag einbauen – und dass ihre Vorschläge in Augustusburg auch außerhalb des Rates Gehör finden.
Drei Auszeichnungen, drei Preisverleihungen
Über die Vergabe der drei Auszeichnungen entschied eine Jury aus Fachleuten, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit Kinder- und Jugendbeteiligung beschäftigen. Die Preisverleihungen finden bis zum Jahresende direkt vor Ort bei den ausgezeichneten Projekten statt.
Über die Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Sachsen
Die Servicestelle Kinder- und Jugendbeteiligung Sachsen ist seit 2016 ein Projekt des Kinder- und Jugendring Sachsen e.V. Als landesweite Anlaufstelle setzt sie sich dafür ein, dass Kinder und Jugendliche in Sachsen mitreden und mitentscheiden können. Dafür unterstützt sie Kommunen, Politik und Fachkräfte, vernetzt Akteurinnen und Akteure und begleitet Beteiligungsprojekte vor Ort.
Weitere Infos zum Preis und den drei ausgezeichneten Projekten findet ihr hier: https://www.kinder-jugendbeteiligung-sachsen.de/preis