Fehler brauchen Sachlichkeit. Kinderschutz braucht keine Skandalisierung – Gedanken zum „Fall Schleife“
Im Leben passieren Fehler, jedem Menschen und auch die pädagogische Arbeit ist nicht frei davon. In den Medien und mittlerweile auch in der Bundespolitik wird aktuell ein solcher, der einem Jugendverband bei der Umsetzung eines Workshops zum Thema „Mut“ an einer Schule in Sachsen unterlaufen ist, nett formuliert: kontrovers diskutiert.
Ein Fehler ist nichts, was mit Absicht geschieht, denn dann ist es Vorsatz. Fehler sind ärgerlich, mit Blick auf deren Konsequenzen manchmal auch fatal, aber eines dürfen Fehler
nicht sein: Anlass zu politischer Häme und Skandalisierung ohne Rücksicht auf den dadurch entstehenden Schaden. Fehler sind bei allem Ärger und zusätzlichen Aufwand, den sie verursachen, immer auch Anlass für Verbesserungen in Prozessen und Verantwortlichkeiten, zumindest dann, wenn es bei der Aufarbeitung von Fehlern darum geht, ihn nicht noch einmal zu machen.
Umso irritierender und bedenklicher ist es, dass nicht selten eine in der Sache notwendige, differenzierte Herangehensweise in der öffentlichen Debatte verloren geht. Stattdessen werden ungesicherte Informationen, verzerrte Darstellungen und publizistische Zuspitzungen verbreitet. Dies geschieht bis hinein in politische Ebenen und vermeintlich seriöse Medien. Aus einzelnen Fehlern werden Skandale konstruiert, ohne die tatsächlichen Abläufe oder Kontexte angemessen zu berücksichtigen.
Gerade vor dem Hintergrund aktueller politischer Debatten sollte der Schutz von Kindern und Jugendlichen nicht durch Skandalisierung und gar politischen Missbrauch ersetzt und ad absurdum geführt werden. Entscheidend ist nicht die Zuspitzung eines Einzelfalls oder das alleinige Suchen nach „Schuldigen“. Vielmehr muss es um die
Frage gehen, ob und wie vorhandene Schutzmechanismen greifen, in welcher Form reagiert und Verantwortung übernommen und welche Ableitung aus dem Einzelfall gezogen wird.
Es ist (leider - und das ist der eigentliche Skandal in unserer Gesellschaft) eine Tatsache, dass Kinder und Jugendliche von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Statt aber einer völlig unangebrachten Generalabrechnung mit unliebsamen Organisationen, Themen oder politischen Ausrichtungen, muss unser Augenmerk auf einer Stärkung des Schutzes von Kindern und Jugendlichen durch präventive Angebote und wirksame Schutzkonzepte in den Einrichtungen und Organisationen liegen. Nur so können wir eine akzeptable Antwort auf die Frage geben, wo wir als Gesellschaft wirklich stehen, wenn sachliche Aufarbeitung, fachliche Standards und der Schutz von Kindern und Jugendlichen nicht hinter medialer Zuspitzung und politischer Instrumentalisierung treten.
Der Kinder- und Jugendring Sachsen e.V. steht für eine fachlich fundierte, verantwortungsvolle Kinder- und Jugendarbeit. Dazu gehört es natürlich, Fehler zu benennen und aufzuarbeiten. Mediale Verzerrung und politische Skandalisierung sind dabei keine hilfreichen Begleiter.