Fachkräfte- und Nachwuchssicherung

BERUFung Jugendarbeit - ein Pilot-Projekt zur Fachkräfte- und Nachwuchssicherung


Die Herausforderung

In der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Jugendverbandsarbeit herrscht akuter Fachkräftemangel. Diese Entwicklung setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen:

  • Eine prekäre Finanzierung, welche sich in einem dauerhaft negativen Trend von unzureichender finanzieller Entlohnung, befristeten Verträgen und dem Abbau von Stellen ausdrückt.
  • Gleichzeitig steigen die Anforderungen und Aufgaben an Fachkräfte und Bildungsreferent*innen.
  • Es gibt eine größere Nachfrage des Studiengangs Soziale Arbeit als Studienplätze. So werden nicht alle möglichen Personalressourcen ausgeschöpft.
  • Darüber hinaus wird Jugendhilfe - insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit sowie die Jugendverbandsarbeit - häufig nur am Rande in Bachelor-Studiengängen behandelt.

Dabei ist die Bedeutung des Personals für eine gute Qualität der zielgruppen- und bedarfsgerechten Angebote der Kinder- und Jugendarbeit unbestritten hoch. Es stellen sich die Fragen: Wie kann das Arbeitsfeld attraktiver gemacht werden? Welche Erwartungen haben Absolvent*innen an den ersten Beruf?

Erkenntnisse aus der Wissenschaft

Eine aktuelle Studie[1]  hat zu „Erkenntnissen zur beruflichen Orientierung sowie zu Bleibe- und Abwanderungsmotiven und -verhalten von Absolvent*innen der sozial-/heilpädagogischen Fach- und Hochschulqualifikationen in Sachsen“ geforscht. Im Ergebnis der Absolvent*innenbefragung werden klar Handlungsoptionen herausgestellt. Unter anderem:

  • Etablierung einer Ausbildungs-und Informationsinitiative, z.B.
    • umfassende Information und Wissensvermittlung über die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten in der Kinder-und Jugendhilfe
    • grundsätzlicher Ausbau von Möglichkeiten der beruflichen Fort-und Weiterbildung
  • Verbesserung der Rahmenbedingungen für Berufseinstieg und Gestaltung der Arbeitsverhältnisse, z.B.
    • Entwicklung von Begleitprogrammen für den Berufseinstieg nach dem Studium
  • Aktivierung alternativer Berufseinstiege, z.B.
    • Förderung von (berufsbegleitenden) Quereinsteigerprogrammen, handlungsfeld-spezifische Anpassungsqualifizierungen, Anerkennung von fachlich einschlägigen pädagogischen Abschlüssen und Zusatzqualifikationen
  • Qualitätsinitiative: Qualitätssicherung und –steigerung in Studium und Ausbildung.

Damit wird klar, dass auch Aspekte der Organisationskultur für die Fachkräftegewinnung und -bindung von großer Bedeutung sind. Damit ist u. a. auch die Unterstützung bei der Einarbeitung im Allgemeinen und im Berufseinstieg im Speziellen gemeint. Erst mit einigem Abstand folgen Rahmenbedingungen wie Gehalt, Arbeitszeiten oder firstlose Arbeitsverträge.

 

Das Projekt

Im Kooperationsprojekt BERUFung Jugendarbeit versuchen die AGJF Sachsen und der KJRS gemeinsam mit dem Landesjugendamt Sachsen konstruktive Antworten auf die genannten Entwicklungen zu geben und oben genannte Handlungsempfehlungen aufzugreifen.

  • Eine 10-tägige Fortbildung speziell für den Quer- oder Neueinstieg in die Kinder- und Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit (insb. Arbeitsfelder §§ 11-12 SGB VIII).
  • Mit einem Appell an die jugendpolitischen Strukturen Sachsens.
  • Mit einer Informationskampagne über die verschiedenen Arbeitsfelder und Tätigkeitsprofile der Kinder- und Jugendarbeit sowie Jugendverbandsarbeit für Berufseinsteiger*innen.

Das Projekt läuft im Jahr 2022 mit der Absicht einer Weiterentwicklung und Fortführung. Um einer dauerhaften und erfolgreichen Implementierung der Qualifizierung den Weg zu ebnen, wird das Projekt durch eine externe Evaluation begleitet. Dieses übernimmt das Institut für regionale Innovation und Sozialforschung e.V. (IRIS e.V.).

Seit dem 16. Mai 2022 läuft nun der erste Durchgang des Projekts an. Mit zehn engagierten und wissensdurstigen Teilnehmenden aus den verschiedensten Fachrichtungen startete das erste Modul zum Thema „Soziale Arbeit als Profession und Disziplin“ im Röhrsdorfer Park in Chemnitz.

Bald darauf fand in der Seminarfabrik Nossen das zweite Modul zum Thema "Grundlagen der Kinder- und Jugendarbeit" statt. Die Teilnehmer*innen erlangten einen Überblick über die rechtlichen Grundlagen der (sächsischen) Kinder- und Jugendarbeit, Konzept- und Projektentwicklung sowie den Kinderschutz.

Im dritten Modul "Pädagogisches Fallverstehen und Methoden" im Kulturdenkmal Appenhof in Klingemühle trafen sich alle Teilnehmer*innen wieder und kamen ins "machen". Neben eigener biografischer Arbeit wurde mit diversen (Klein-)Gruppenübungen die eigene (pädagogische) Haltung und Professionalität reflektiert und thematisiert.

Zum Abschlusstag am 28. Juli 2022 in der KJRS Geschäftsstelle in Dresden stand neben einer intensiven Evaluation und Reflexion auch inhaltliches Arbeiten anhand selbstgewählter Themen auf dem Plan, die während des Einführungskurses aufkamen. Somit wurde sich mit aktuellen Jugendstudien und jugendpolitischen Forderungen sowie der Neutralitätsdebatte und Wirksamkeit in der Kinder- und Jugendarbeit auseinandergesetzt.
 

Wir danken den Teilnehmer*innen des ersten Durchgangs für ihren Input und wünschen ihnen alles Gute für ihren weiteren Berufsweg in der Kinder- und Jugendarbeit!

Wir sitzen jetzt schon an der neuen Konzeption mit einigen Anpassungen für den zweiten Durchgang... To be continued.

Begleitende Fachwerkstätten

Begleitet wird das Pilot-Projekt von mehreren Fachwerkstätten. Ziel ist, die erfahrenen Kolleg*innen aus dem Feld in den Prozess und die Entwicklungen mitzunehmen.

Die neue sächsische Kinderbeauftragte Susann Rüthrich (SPD) eröffnete die erste Fachwerkstatt am 25.01.2022 mit einem Grußwort, welches die Relevanz der Jugendarbeit, als wichtiger Sozialisationsort von Kindern und Jugendlichen, hervorhebt. Im Zentrum dieser Sozialisationsorte sollten Fachkräfte stehen, die gut ausgebildet sind und über ausreichende Ressourcen verfügen. Anschließend führten Prof.in Dr. Silke Geithner und Dr. Thomas Drößler (EHS Dresden) in ihre Studie „Absolvent*innenbefragung der Ausbildungsgänge für sozial-/heilpädagogische Fach- und Hochschulqualifikationen in Sachsen“ ein. Nach einem Einblick in die Erwartungen von Berufseinsteiger*innen und Anforderungen von Arbeitgeber*innen, werden Handlungsoptionen dargestellt. Darunter fallen u.a. ein grundsätzlicher Ausbau von Möglichkeiten der beruflichen Fort-und Weiterbildung oder handlungsfeld-spezifische Anpassungsqualifizierungen. Nach dem thematischen Input wurde in Kleingruppen verschiedene Leitfragen diskutiert. Die ersten Ergebnisse sehen Sie in den unten abgebildeten Wortwolken.

Kontakt

Jennifer Vaupel, Projektreferentin KJRS
+49 351 3167917
j.vaupel(at)kjrs.de

Johanna Probst, Projektreferentin KJRS
+49 176 45667410
j.probst(at)kjrs.de

Alexandra Nitsch, Projektreferentin AGJF
+49 371 5 33 64 31
nitsch(at)agjf-sachsen.de


[1] Absolvent*innenbefragung der Ausbildungsgänge für sozial-/heilpädagogische Fach- und Hochschulqualifikationen in Sachsen.

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